Donnerstag, 31. Mai 2007

Freie Wildbahn; Simplizissimus; Liegeräder III.

"In der Natur ist Fasten selbstverständlich. Tiere in freier Wildbahn fressen sich im Herbst einen dicken Winterspeck an, um dann im nahrungsarmen Winter von ihren Reserven leben zu können. Trotzdem leben sie mit voller Leistungsfähigkeit. ... Auch die Menschen entwickelten schon früh die Fähigkeit, Nahrungsdepots anzulegen, um schlechte Zeiten zu überstehen. Sie erkannten aber auch zusätzlich eine positive Wirkung des Nahrungsverzichts. Jäger in Naturvölkern verfügten nach dem Fasten über mehr Energie und Ausdauer."

Samstag geht es los!


Die Zeit, die ich beim Essen spare, kann ich dann dem Simplizissimus widmen! Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass mein Vater ihn mit nach Hause gebracht hat, in den 60iger Jahren. Kann es sein, dass er nach dem Krieg noch einmal heraus gegeben wurde? Oder trügt meine Erinnerung?

Was ich nicht wußte, ist, dass der Simplizissimus während der Nazi-Zeit ziemlich systemkonform war, ja dass Mitarbeiter und die früher scharfen Kritiker der Rechten zu den Nazis überliefen.

Hier kann man sich die Zeitschrift vollständig anschauen: Simplizissimus Info.
Manches versteht man nicht mehr, anderes ist einfach zeitlos gut!


Wenn jemand Agent werden möchte, hier besteht die Möglichkeit:
" ... und ewig grüßt das Liegerad"

Der Ehrlichkeit halber muß ich sagen, dass mein Orthopäde, bei dem ich in Behandlung bin, über Liegeräder folgendes sagte: Dass ist etwas für Jungs, die in der Schule zuwenig Beachtung gefunden haben. Jetzt legen sie sich ein Liegerad zu, fahren damit durchs Dorf und fühlen sich als etwas Besonderes!

Ich habe den Eindruck, dass ist nicht ganz falsch.

Sonntag, 27. Mai 2007

Laufen

Zur Zeit bin ich krank geschrieben. Einerseits Nachwirkungen einer Darmerkrankung (s. alter Blog über Ahrenshoop), andererseits habe ich zwei Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule. Deshalb auch mein Interesse an Liegerädern.

Wenn man krank geschrieben ist, ist man viel alleine zu Hause und kommt leicht auf dumme oder auch trübsinnige Gedanken. Meine Kontakte mit der Außenwelt um mich herum beschränken sich momentan auf Krankengymnastik und Arztbesuche.

Aber eines kann ich und soll ich machen: Laufen bzw. Spazieren gehen.

Und auch für eine mir gut bekannte Person, nennen wir sie Norbert, ist Laufen und Bewegung dringend angesagt. Ein Blick auf Norbert zeigt warum, da muß man nicht viel erklären.

Norbert beim Marsch durch die Lichtentaler Allee,
fotografiert von seinem Fitness-Trainer, mir


Jedenfalls bin ich jetzt der selbsternannte "personal trainer", der persönliche Fitnesstrainer von Norbert. So habe ich eine Aufgabe, die mir gut tut, die mit meiner Krankschreibung vereinbar ist und die Norbert nützt.


Norbert wiegt 140 kg bei 1,83 m Körpergröße. Wie geht man die Aufgabe an, Gewicht zu reduzieren und die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern?

Ich orientiere mich an der Kampagne des SWR "Von 0 auf 42", womit Kilomerter gemeint sind. Das Ziel des SWR war, innerhalb eines Jahres unsportliche Menschen dazu zu bekommen, einen Marathon zu laufen. Diese wurde mittlerweile wiederholt und ist sehr gut dokumentiert. Sie wird erklärt mit Trainingsplänen, Ausrüstung, Ernährung usw. Das ist meine Vorlage, mein "Masterplan", meine "Road Map" (Wenn schon "Fitness-Trainer", dann auch "Masterplan").

Norbert nach dem 30minütigen gehen

Klar, dass für uns die vorsichtige Variante (Stichwort: Mücke) angesagt ist. Dass heißt,
wir beginnen mit spazieren gehen. 4 mal die Woche zwischen 30 und 50 Minuten. Für Norbert geht das bereits an die Grenze. Lauf ihr mal 50 Minuten mit einem Rucksack von 50 Kilo auf dem Rücken! Das ist das Gewicht, das Norbert zuviel mit sich herum schleppt!

Das geht auf die Gelenke. Und wenn das Gewicht nicht deutlich reduziert wird, ist an laufen im Sinne von joggen, rennen auf lange Zeit gar nicht zu denken. Also, wie bekommen wir schnell Gewicht herunter, so dass Norbert die normalen Trainigspläne verwirklichen kann?

Fasten! Ich habe Norbert davon überzeugt, dass er 1 Woche lang nichts essen wird. Nach seinem Geburtstag Ende Mai fangen wir an. Also die Idee ist, "die Kerze an zwei Seiten anzuzünden", damit sie schneller brennt.


Und außerdem machen wir mit bei einem Kurs, den die Laufwelt organisiert.

"05.06.2007 - 07.08.2007
Lauf-Therapie mit Jörg Linder
Bei diesem Angebot handelt es sich um Jogging nach einem bestimmten Zeit-Laufprogramm (Laufen mit Gehpausen).

Die Teilnehmer der Gruppe setzen sich durchs Laufen aktiv für ihre Gesundheit ein und benötigen aufgrund der niedrigen Intensität und dem geringen Tempo keine Spezialausrüstung.
"

Ich bin gespannt, was das wird (und habe eine sinnvolle Aufgabe und ein Ziel).

Samstag, 26. Mai 2007

Freitag, 25. Mai 2007

Gesundschrumpfen, Entlassen, Börse = SPD

"Wir müssen 30 000 Mitglieder entlassen, damit wir gesund schrumpfen und die SPD rechtzeitig zur Bundestagswahl an die Börse bringen können"
Stern, 24.5.2007

Gefällt mir gut die Karrikatur, weil sie so schön absurd ist, aber doch voll in die Zeit paßt.

Entlassungen, "gesund" schrumpfen, Börse - dieserDreiklang bestimmt oft das wirtschaftliche Handeln. Er suggeriert, dass das Ziel eines Unternehmens die Realisierung maximaler Profite ist. Es gibt aber auch andere Unternehmesziele: ein gutes Produkt, auf dass Unternehmer wie Mitarbeiter stolz sind; die moralisch-ethische Verantwortung eines Unternehmers für seine Mitarbeiter; die Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohl.

Dass Unternehmen Gewinne machen müssen, ist klar. Aber darüber andere Ziele zu vernachlässigen oder ganz bewußt zu vergessen und zu unterdrücken, ist in vielerlei Beziehung verwerflich und auf Dauer auch nicht erfolgreich.

Und die SPD? Wird zerrieben zwischen ihren Traditionen als Arbeitnehmerpartei, den harten Grausamkeiten des Marktes (der schon immer Weltmarkt war, also globalisiert) und dem selbst aufgelegten Zwang, auf jeden Fall mitzuregieren ("Opposition ist Scheiße", Müntefering).

Mal sehen, wieviele Mitglieder die SPD bei den nächsten Bundestagswahlen hat. Heute (Mai 2007) sind es 556.000.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Gengenbach; Liegeräder

Am Montag war ich Gengenbach. Warum Gengenbach? Nun, warum nicht? Hat jemand etwas gegen Gengenbach, gerne auch als die "Fachwerkperle im Vorderen Kinzigtal" bezeichnet?

Wolfgang A. aus B. hatte mich anläßlich einer Tagung in B-B.besucht. Wolfgang A. ist gelernter Ossi und kannte Gengenbach noch nicht. Ich kannte es auch noch nicht, mußte allerdings feststellen, dass Wolfgang A. sehr viel mehr vom Schwarzwald kennt als ich. Er war schon so ziemlich überall im Schwarzwald, außer eben in Gengenbach.

Freie Reichsstadt Gengenbach, hier geht es rein

Wir beschlossen, uns den Ort einmal anzusehen, ganz normal, so wie Touristen das machen. Zuerst fiel unser Blick auf diesen Brunnen.

popliger Brunnen

Er ist an sich nicht weiter bemerkenswert, nur der Name hat es in sich!

Brunnen mit Namenstafel

Wolfgang wollte wissen, ob das ironisch gemeint sei; so ein ganz normaler Brunnen, dann so ein Name und eine Gedenktafel!

Dies mußte ich verneinen. Der Badner ist nach meiner Erfahrung zu allem möglich fähig, aber nicht zu Ironie. Der Badner ist heiter oder ernst, aber nicht ironisch. Und so ist dieser Brunnen eben nicht einfach ein Bahnhofsbrunnen, sondern ein Großherzoglich-Badischer mit Hinweisschild auf die gute, alte Zeit, als es das schöne Großherzogtum Baden (1803-1945) noch gab.

Ansonsten gibt es ein großes Eingangstor zur ehmaligen freien Reichsstadt zu sehen: Einen Kräutergarten im Kloster, Fachwerkidylle, Spruchtafeln und Türme.

Kräutergarten

So wohnen die Gengenbacher


Einer der vielen Türme, hier der im Kräutergarten

Die Gengenbacher haben es mit den Tafel:
"Der Heitere ist Meister seiner Seele"



Danach wandten wir uns unserem eigentlichen Ziel an diesem Tag zu. Dem Fahrradladen "Radhieslie" in Schuttern, spezialisiert auf Liegeräder.

Im Radhiesle empfing uns der Inhaber, Typ Räuber Hotzenplotz. Aber sehr nett. Er verkauft seit 17 Jahren Liegeräder und meinte, dass die Zeit der "Baschtler" zu Ende sei, jetzt werden seriöse, alltagstaugliche Räder gebaut. Allerdings wegen der kleinen Serien immer noch zu hohen Preisen.

Ich sagte, dass ich nach einem Bandscheibenvorfall Probleme mit den Schultern und Armen habe und mich deshalb für Liegeräder interessieren würde. Er fragte, für welchen Zweck ich es denn benutzen wolle.

Ich will damit über die Alpen nach Italien fahren. Oh!

Ja, dann kommt eigentlich nur ein dreirädriges Liegerad in Frage. Da kann man bei einer langen Steigung noch mit 3 km den Berg hochfahren, ohne umzufallen.

So testete ich mit Wolfgang dreirädrige Liegeräder.


Das schickste und schnellste ist der "Skorpion". Es fährt unglaublich schnell und sicher, man erreicht eine hohe Kurvengeschwindigkeit. Allerdings liegt man fast (ist ja auch ein Liegerad), ich finde es etwas extrem.


Dann gibt es das "Anthrotech". Sie sieht ein bisschen behindertenmäßig aus, aber ist nicht viel langsamer als der Skorpion, ebenfalls erstaunlich leicht und man sitzt fast aufrecht. Sehr angenehm für mich!


Das Anthrotech mit abschließbarem Kofferraum


An sich bin ich von diesen Geräten überzeugt. Sie sind stabil, schnell und sehr bequem. Aber sie sind natürlich unhandlich beim Transport in der S-Bahn, in der Bahn oder dem Auto. Auch sind ja viele Radwege schmal und man nimmt mit diesen Dreirädern schon viel Platz in der Breite weg.

Zumindest für das Transportproblem gibt es eine Lösung: Das faltbare dreirädrige Liegerad!

Sieht aus wie moderne Kunst, ist auch moderne Kunst:
gefalteter Skorpion

Leider gibt es diese germanische Shiva nicht dazu. Erst sie macht doch aus diesem Schrotthaufen Kunst!