Das ist Anna. Ich bin zu Besuch bei ihr und Wolfgang in Berlin. Sie sitzt gerade auf dem Balkon im 4. Stock und plant das Essen. Wenn man nach längerer Zeit wieder nach Berlin kommt, ist es für so Provinzheinis wie mich ein richtiger Kulturschock. So viele Menschen, so viele Cafes und Kneipen! Und alle gut gefüllt. So ein buntes Treiben, ganz viele Radfahrer und jede Menge cooler Typen.
Die Spielplätze quellen über mit Kindern, jede dritte junge Frau schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Und das mitten in der großen Stadt!
So sieht es aus, wenn man vom 4. Stock vom Balkon auf die Straße sieht Wegen Menschen wie Anna und Wolfgang ist Berlin sowieso immer eine Reise wert. Auch wenn es regnet und/oder die Innenstadt vor Touristen überquillt. Das macht alles nicht. Anna kocht gut und gerne und wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt und in kurzer Zeit irgendein wunderbares, gesundes und leckeres Gericht auf den Tisch zaubert, dann kommt die Welt in Ordnung und kann von mir aus außerhalb der Küche auch untergehen. Dazu Wein und immer ein leckerer Nachtisch. Während Anna das Essen vorbereitet, diskutieren Wolfgang und ich die Weltlage. Ab und zu müssen wir Handreichungen verrichten oder Anna wirft etwas ein, im Wesentlichen aber fangen wir mit der großen Politik an, steigen herab bis zur Kommunalpoltik und dem Geschehen im Kiez, bevor wir dann die Unterschiede zwischen Stadt und Land, Nord und Süd, Ost und West erörtern. Der Übergang und Umzug aus der Küche dann ins Wohnzimmer, Weinglas in der Hand, vollzieht sich fließend und geschmeidig. Dann kommen wir auf Reisen, den Beruf, die Kinder und irgendwann ist dann gut und rundum gesättigt und zufrieden sinkt man ins Bett (Die Zeiten, wo man dann noch so gegen 24 Uhr noch ein Zug um die Ecken machte, sind vorbei).
Gestern waren wir in Kreuzber türkisch essen, billig und sehr gut. Auf dem Rückweg sind wir über die Oberbaumbrücke gelaufen, da sind diese Bilder entstanden. Ich finde sie typisch für Berlin, sie sind nicht wirklich schön, glatt, wohlgeformt und trotzdem zeigen sie doch ein bisschen die rauen Charme, den diese Stadt hst.

Nach 2 Tagen Berlin: Was hat sich geändert gegenüber früher?
Mehr Fahrradfahrer, mehr Ausländer im Osten, Berlin hat seine eigene Mode, die so sonst nirgendwo, hier aber mit Stolz und jeder Menge Selbstbewußtstein (jedenfalls nach außen hin) getragen wird. Viele Kopftuchträgerinnen bei dem Muselmaninnen, die zum Teil richtig bunte und auf jeden Fall sehr modische Kopftücher tragen. Demonstrativ und auch etwas provokativ. Ich hoffe sehr, dass es eine Mode ist, die auch wieder verschwindet. Ich möche jedenfalls nicht in einem Land leben, in dem religiöse Führer die Staatsmacht haben und Sittenpolizei das korrekte Verhalten und die korrekte Kleidung auf den Straßen kontrolliert, so wie das in den Staat ist, wo zwischen Islam und Staat keine Trennung besteht (Saudi-Arabien, Iran, Afganisthan unter den Taliban).
Und Berlin ist unglaublich grün. Die Straßenbäume, die in den großen Straßen links und rechts der Fahrbahn wachsen, tragen ganz wesentlich zur Qualität Berlins bei. Sie produzieren Sauerstoff, binden Staub und sehen schön aus. Oft sind es richtig große und mächige Bäume, die das Straßenbild prägen. 450.000 Straßenbäume gibt es und nur noch 150.000 Hunde. Das ist doch ein Fortschritt!
Im öffentliche Nahverkehr sind jetzt 18 Jahre nach der Wende die Lücken, die die Teilung der Stadt gerissen hatte, geschlossen. Es gibt weniger den je einen Grund, in Berlin noch - von Ausnahmen wie Umzug, Großeinkäufe, Krankentransporte- ein Auto zu benutzen. S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn, Busse fahren in den Innenstadtbezirken so oft, dass das Auto auch von der Geschwindigkeit keine Chance mehr hat. Denn Parkplätze sind knapp und ggf. teuer, bis man einen gefunden hat, ist der S-Bahn-Fahrer schon am Ziel. Und es ist natürlich viel entspannter und sicherer.



