Dienstag, 26. Juni 2007

Berlin, Prenzlauer Berg


Anna beim Studium eines Kochbuches, das sie eigentlich gar nicht braucht


Das ist Anna. Ich bin zu Besuch bei ihr und Wolfgang in Berlin. Sie sitzt gerade auf dem Balkon im 4. Stock und plant das Essen. Wenn man nach längerer Zeit wieder nach Berlin kommt, ist es für so Provinzheinis wie mich ein richtiger Kulturschock. So viele Menschen, so viele Cafes und Kneipen! Und alle gut gefüllt. So ein buntes Treiben, ganz viele Radfahrer und jede Menge cooler Typen.

Die Spielplätze quellen über mit Kindern, jede dritte junge Frau schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Und das mitten in der großen Stadt!

So sieht es aus, wenn man vom 4. Stock vom Balkon auf die Straße sieht

Wegen Menschen wie Anna und Wolfgang ist Berlin sowieso immer eine Reise wert. Auch wenn es regnet und/oder die Innenstadt vor Touristen überquillt. Das macht alles nicht. Anna kocht gut und gerne und wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt und in kurzer Zeit irgendein wunderbares, gesundes und leckeres Gericht auf den Tisch zaubert, dann kommt die Welt in Ordnung und kann von mir aus außerhalb der Küche auch untergehen. Dazu Wein und immer ein leckerer Nachtisch. Während Anna das Essen vorbereitet, diskutieren Wolfgang und ich die Weltlage. Ab und zu müssen wir Handreichungen verrichten oder Anna wirft etwas ein, im Wesentlichen aber fangen wir mit der großen Politik an, steigen herab bis zur Kommunalpoltik und dem Geschehen im Kiez, bevor wir dann die Unterschiede zwischen Stadt und Land, Nord und Süd, Ost und West erörtern. Der Übergang und Umzug aus der Küche dann ins Wohnzimmer, Weinglas in der Hand, vollzieht sich fließend und geschmeidig. Dann kommen wir auf Reisen, den Beruf, die Kinder und irgendwann ist dann gut und rundum gesättigt und zufrieden sinkt man ins Bett (Die Zeiten, wo man dann noch so gegen 24 Uhr noch ein Zug um die Ecken machte, sind vorbei).



Gestern waren wir in Kreuzber türkisch essen, billig und sehr gut. Auf dem Rückweg sind wir über die Oberbaumbrücke gelaufen, da sind diese Bilder entstanden. Ich finde sie typisch für Berlin, sie sind nicht wirklich schön, glatt, wohlgeformt und trotzdem zeigen sie doch ein bisschen die rauen Charme, den diese Stadt hst.



Nach 2 Tagen Berlin: Was hat sich geändert gegenüber früher?

Mehr Fahrradfahrer, mehr Ausländer im Osten, Berlin hat seine eigene Mode, die so sonst nirgendwo, hier aber mit Stolz und jeder Menge Selbstbewußtstein (jedenfalls nach außen hin) getragen wird. Viele Kopftuchträgerinnen bei dem Muselmaninnen, die zum Teil richtig bunte und auf jeden Fall sehr modische Kopftücher tragen. Demonstrativ und auch etwas provokativ. Ich hoffe sehr, dass es eine Mode ist, die auch wieder verschwindet. Ich möche jedenfalls nicht in einem Land leben, in dem religiöse Führer die Staatsmacht haben und Sittenpolizei das korrekte Verhalten und die korrekte Kleidung auf den Straßen kontrolliert, so wie das in den Staat ist, wo zwischen Islam und Staat keine Trennung besteht (Saudi-Arabien, Iran, Afganisthan unter den Taliban).

Und Berlin ist unglaublich grün. Die Straßenbäume, die in den großen Straßen links und rechts der Fahrbahn wachsen, tragen ganz wesentlich zur Qualität Berlins bei. Sie produzieren Sauerstoff, binden Staub und sehen schön aus. Oft sind es richtig große und mächige Bäume, die das Straßenbild prägen. 450.000 Straßenbäume gibt es und nur noch 150.000 Hunde. Das ist doch ein Fortschritt!

Im öffentliche Nahverkehr sind jetzt 18 Jahre nach der Wende die Lücken, die die Teilung der Stadt gerissen hatte, geschlossen. Es gibt weniger den je einen Grund, in Berlin noch - von Ausnahmen wie Umzug, Großeinkäufe, Krankentransporte- ein Auto zu benutzen. S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn, Busse fahren in den Innenstadtbezirken so oft, dass das Auto auch von der Geschwindigkeit keine Chance mehr hat. Denn Parkplätze sind knapp und ggf. teuer, bis man einen gefunden hat, ist der S-Bahn-Fahrer schon am Ziel. Und es ist natürlich viel entspannter und sicherer.

Samstag, 23. Juni 2007

Was hat es gebracht? Das Duell!

Ich weiß, ich bin in der Berichtspflicht noch etwas schuldig. Also, das Fasten ist gut und erfolgreich gelaufen. Ich habe jetzt 2 Wochen später 3 Kilo weniger auf den Rippen, Norbert 5 Kilo. Das ist doch was!

Beide haben wir uns in der Fastenwoche wohl gefühlt, weil einfach der Entschluß da war, das zu machen, ohne Zaudern. Man muß es wollen. Dann haben wir beide Gemüsesaft, Obstsaft und Gemüsebrühe zu uns genommen, also kein Null-Diät. Sondern Dinge, die Mineralstoffe und Vitamine enthalten, das macht das Durchhalten leichter, wenn man in kritischen Momenten eine würzige Gemüsebrühe schlürfen darf, und wenn man weiß, dass man keinen Mangel erleidet.

Parallel haben wir auf Bewegung geachtet. Spazieren gehen, langsames laufen. Und jetzt nach dieser Woche verzichten wir beide konsequent in unserer Ernährung auf zuckerhaltige und weißmehlhaltige Nahrungsmittel. Das wirkt. Heute nachmittag werden wir wieder zusammen laufen, da werde ich dann ein aktuelles Bild von Norbert machen. Der Leser möge vergleichen, ob man schon "was sieht".

Mein Leserbrief von gestern ist in beiden Lokalzeitungen aufgenommen worden. Das Badische Tagblatt hat beide Fotos ohne Quellenangabe genommen, einen Sprecher von der Bahn gefragt, einen von der Gemeinde und einen vom KVV (Karlsruher Verkehrs-Verbund) und daraus ein BT-typischen Mischartikel gemacht. Aber immerhin, ich werde zitiert und die Sache ist öffentlich geworden.

Der Acher-Bühlerbote, Ableger der Badischen Neusten Nachrichten, hat, wie oft, solider und klarer berichtet. Auch der ABB hat bei der Bahn und der Gemeinde nachgefragt und deren Stellungnahme wieder gegeben. Aber auch mein Schreiben wird ausführlich und wörtlich zitiert. So weiß der Leser, wer was gesagt hat und kann sich eine eigene Meinung bilden.

Insgesamt ein positiver Vorstoß mit viel Resonanz.

Ansonsten beschäftigt einen natürlich die spannende Frage, wer wird CSU-Parteivorsitzender in Bayern im Herbst. Nach den wochenlangen Schlagzeilen darüber, ob und wann Edmund Stoiber zurück tritt, beschäftigt jetzt die Nachfolgefrage die Medien. Es sind halt auch kantige Figuren, die was hergeben: Der Beckstein, der Erwin Huber und der Seehofer. Die Süddeutsche hat es wieder mal tagesaktuell und hintergründig beleuchtet: Das Duell! Im Fernsehen! Man bedenke: Es geht um den CSU-Vorsitz in Bayern - und dazu ein Fernsehduell. Der Kommentar dazu in der herrlichsten Rubrik, die die Süddeutsche besitzt: Unter Bayern, SZ 23.6.2007, . 42.

"Ein Ja zum Duell
von Christoph Schwennicke

Man weiß nicht, wem man vor allem danken muss; dem Thomas Gruber, dem digitalem Signal als solchem, der Fernsehschüssel oder in Gottes Namen auch Klaus Wowereit: Das Bayerische Fernsehen, kurz der BR, ist jedenfalls auch in Berlin zu sehen. Der Wetterbilder morgens, Bergaufbergab, über Jahrhunderte die immer faltenfreier, dünner und ungesünder aussehende Gesundheitsfrau, die Skigymnastik, der Gernstl unterwegs. Heimat auf Knopfdruck, Kanal 13 auf der Fernbedienung.

Dieser allgemein beruhigende Umstand bekommt nun vor dem Hintergrund jüngster Ereignisse eine sehr aktuelle Dringlichkeit. Der junge Vater Horst Seehofer ist auf die Idee gekommen, im Kampf um den Parteivorsitz in der CSU ein Fernsehduell mit seinem Widersacher Erwin Huber vorzuschlagen. Der mediale Bezug? Na klar, der BR.
Die Idee muß erst einmal sacken. Geistige Kleinkrämer mögen in einem ersten Kurzschluss quasi verfassungsrechtliche Bedenken anmelden. Es wählt schließlich nicht das bayerische Volk den neuen CSU-Vorsitzenden, sondern die Delegierten eines Parteitages, es ist also nicht einfach nur eine lokal heruntergebrochene Version des Fernsehduells von Kanzler(in) und Kanzlerkandidat(in). Wie gesagt, kleinkarriert, und auch noch falsch: Natürlich ist das bayerische Volk die CSU, natürlich ist auch der BR irgendwie die CSU, wie genau ist dabei nicht klar, denn jeder öffentlich-rechtliche Sender ist bekanntlich qua Staatsvertrag überparteilich. Nun scheint die Sache ja Gestalt anzunehmen, auch wenn der BR im Augenblick etwas eiert, wem er nun was schon zugesagt hat. Nichts ist weniger aufzuhalten, als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Also setzt sich am besten an die Spitze der Bewegung, wer vorneweg sein will und hinterher Recht hatte. Wir sprechen uns hiermit für DAS DUELL aus.

Ein paar Anschlußfragen müssen geklärt sein. Darf Seehofer in Anlehnung an Schröders Wahlschlager den rührenden Satz sagen, dass er seine (beiden) Frau(en) über alles liebe? Stehen sie, oder sitzen sie, kriegt Huber ein Podest? Und: Wer moderiert? Natürlich muß der BR moderieren, also unser Sigmund Gottlieb. Es gäbe nur einen, der noch traumhafter wäre. Eine Idee? Kürzlich hat doch jemand gesagt, dass er weiterhin seine Kommentare zu Belangen der CSU abgeben werde. Dämmert's? Kleiner Tipp: Der versteht was von Fernsehduellen und wohnt in Wolfratshausen."

Donnerstag, 21. Juni 2007

Leserbrief

So sieht die S-Bahnhaltestelle in Sinzheim aus

Jetzt hat es mir gelangt. Seit Monaten habe ich mich über den Zustand unseres (mühsam errungenen und endlich erreichten) S-Bahnhofs aufgeregt. Dann habe ich mir gesagt, dass man nicht schimpfen, sondern handeln muß. Also habe ich bei der Gemeinde vorgesprochen. Die hat den Bahnhof zwar mit finanziert, ist aber für den Unterhalt nicht zuständig, das sei der Herr Schwall. Aber den würde man nur sehr schwer erreichen.

Ich habe ihn dann aber erreicht und gehörig beschimpft am Telefon. Der hat tatsächlich behauptet, er würde einmal in der Woche in Sinzheim fahren und sich die Dinge anschauen. Das war im Mai. Passiert ist seitdem nichts. Nachdem ich gestern wieder mit der S-Bahn gefahren bin und dieselben Scherben wie im Januar herumlagen, mußte ich diesen verantwortungslosen Herrn Schwall angehen. Wobei natürlich klar ist, dass die eigentlichen Übeltäter die Vandalen sind, die die S-Bahn Einrichtungen mit großer Gewalt zerstören. Also den folgenden Text habe ich heute morgen mit 2 Fotos an die Presse geschickt.


Die Überbleibsel des Wartehäuschens, ursprünglich eine
Glasscheibe zum Schutze gegen Wind und Regen


"S-Bahnhalt Sinzheim

Ich benutze jetzt öfters die S-Bahn - und bin entsetzt. Nicht über die S-Bahn selber, aber über den Zustand des Bahnhofs in Sinzheim. Es gibt keinen Fahrplan, es gibt keine Uhr, es gibt nur einen Automaten und der ist kaputt. Der Bahnsteig ist seit Monaten mit Scherben übersät, die den Bahnsteig umgebende Mauer ist demoliert, die Steine liegen auf dem Boden oder gar auf dem Gleis. Dieser Zustand besteht jetzt seit einem halben Jahr, ohne dass die Deutsche Bahn etwas daran ändert. Ich habe den für Sinzheim zuständigen Herrn Schwall von der DB Karlsruhe angerufen. Dieser Mann behauptete, einmal in der Woche in Sinzheim "nach dem Rechten" zu sehen. Ich weiß nicht, was er da macht. Der Anblick und Zustand des Bahnhofs Sinzheim ist jedenfalls ein Skandal und eine Zumutung für die Fahrgäste!

Anbei 2 Fotos, die ich im Mai aufgenommen habe. Seitdem hat sich die Situation eher noch verschlimmert."

Mittwoch, 20. Juni 2007

Also, was mir richtig gut gefallen hat, sind die Ansetzungen des UI-Cups (UEFA-Intertoto, UEFA=Union of European Football Associations). Die Süddeutsche Zeitung (19.6.07) schreibt dazu:


"Neues vom Zungenbrecher-Cup

Bitte laut lesen!

Wem es gelingt, das nun folgende Gedicht ohne Marmeladenunfälle vorzutragen, dem winkt ein Stammplatz in der von Hans Meyer trainierten Literaten-Nationalmannschaft.

Für alle, die diese Zeilen beim Abendessen lesen, hier eine kleine Gebrauchsanweisung zum besseren Verständnis des nun folgenden Textes: Hierbei handelt es sich nur vordergründig um die Erstrunden-Ansetzungen des Fußball-UI-Cups - in Wahrheit handelt es sich um ein hinreißendes Stück moderner Lyrik, dessen inhaltliche Reife und zarte Ästhetik sich erst bei fachgerechtem Vortrag entfaltet. ...

Hinspiele 23./24. Juni 2007:
Tobol Kostanai/KAZ - FC Zestafoni/GEO
Cliftonville FC/NIR - FC Dinaburg Daugavpils/LAT
FK Baku/AZE - Dacia Chisinau/MDA
Hammarby IF/SWE - KI Klaksvik/FAR
Ethnikos Achnas/CYP - Makedonija Skopje/MZD
Schachtjor Saligorsk/BLR - Ararat Eriwan/ARM
UE Sant Juliá/AND - FK Sarajevo
NK Zagreb - Vllaznia Shkoder/ALB
FC Differdange 03/LUX - Slovan Bratislava
Valur Reykjavik/ISL - Cork City/IRL
Birkirkara FC/MLT - NK Maribor/SLO
Gloria Bistrita/ROM - OFK Grbalj Radanovici/MNE
FC Honka Espoo/FIN - TVMK Tallinn/EST
Vetra Vilnius/LTU - Llanelli AFC/WAL

Und? Geschafft? Übrigens: In der 3. Runde greift der ebenfalls sehr exotische Hamburger SV in diesen Wettbewerb ein, und wer es aus diesem unaussprechlichen UI-Cup-Feld am Ende in den Uefa-Cup schafft, der könnte dort auf einen weiteren Zungenbrecher namens Bayern München treffen. Wer mitreisen möchte, erhält vom FC-Bayern-Reisebüro einen Wimpel, einen Jugendherbergsführer sowie ein Lunch-Paket."

Übrigens: MNE steht für Montenegro

Mittwoch, 6. Juni 2007

5. Fastentag; schwarzer Block

Das Fasten geht gut. Im großen und ganzen fühle ich mich wohl. Ich achte darauf, mich jeden Tag genügend zu bewegen, um nicht abzuschlaffen. Habe 3 Kilo abgenommen. Es ist erstaunlich, wie leicht der Körper auf Ernährung von Innen umschalten kann, wenn man einfach fest entschlossen ist, mal eine Weile nichts zu essen. Als würde man einen Hebel umlegen. Und natürlich trinke ich viel, 4-5 Liter bestimmt. Auch Norbert hält durch. Er hat erst 1 Kilo abgenommen, aber auch er fühlt sich bis jetzt wohl.

Unser Walk-Training geht weiter. Allerdings wird es morgen, Donnerstag, ausfallen. Da ist Norbert in Heiligendamm. Mein Hinweis auf das internationale Aktionscamp (Choreographie des Widerstands, 2.6.07) hat ihn doch tatsächlich animiert. Gut, aber das Demonstrieren ist natürlich auch Training, man bewegt sich schließlich.

Ich habe ihm allerdings abgeraten, sich dem schwarzen Block anzuschließen. Dafür reicht seine Kondition noch nicht. Er hat darauf hin gefragt, was der schwarze Block ist. Mein Gott, diese Jungend von heute!! Was lernt die eigentlich in der Schule!

Im schwarzen Block treffen sich die bösen Buben, um der Polizei ein bisschen Ärger zu machen. Einerseits kann so ein geschlossener, aktiver Demonstrationblock eine ungeheure Dynamik, Stärke und Durchsetzungskraft haben. Die Kämpfe gegen die Kernkraftwerke in der alten Bundesrepublik und die Aktionen der Hausbesetzer Anfang der 80-iger Jahre wären ohne Schwarze Blöcke bestimmt nicht so erfolgreich gewesen. Das muß man einfach anerkennen.

Andererseits kann sich die Militanz und Gewaltbereitschaft auch verselbständigen. Der Kreuzberger 1. Mai ist ein Beispiel dafür. Er ist nur leeres Ritual, ohne Sinn und Inhalt. Randale um der Randale willen.

Und konsequent zu Ende gedacht, läuft die gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Staatsmacht, wenn man sie auf beiden Seiten eskaliert und aufrüstet, auf Bürgerkrieg hinaus. Und wollen wir das? Wollen wir Krieg in diesem Land? Die große Mehrheit will das nicht. Wenn man es dann trotzdem "durchzieht", weil es richtig ist, egal was die Masse denkt, landet man bei der RAF. Das hatten wir ja schon mal.

Montag, 4. Juni 2007

Korrekte Bierwerbung; Globalisierungskritik

Vorbildliche, präzise Globalisierungskritik mit lokalem Bezug!

"Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen. Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden."

Das Zitat stammt von Karl Marx aus dem Kommunistischen Manifest, geschrieben 1848. Jeder Satz darin ist bis heute richtig. Das Zitat (und weitere Passagen im Manifest) beschreiben das, was man heute Globalisierung nennt. Sie ist so alt wie der Kapitalismus, also ca. 200 Jahre.

Bemerkenswert finde ich, dass Marx und Engels dieses weltweite Streben der Bourgeosie (der Unternehmen) nach Absatz der Produkte und Verarbeitung von Rohstoffen aus den entlegensten Zonen nicht kritisieren. Im Gegenteil: Sie finden es offentsichtlich gut, dass "den Reaktionären der nationale Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen wird." Sie finden das internationale Handeln gut, weil es die engen, reaktionären, nationalen Grenzen überwindet. Die Position von Marx und Engels war ja auch, die Produktivkräfte voll zu entwickeln. Sie wollten nur die Besitzverhältnisse in der Produktion verändern. Die Produkte und die Fabriken sollten denen gehören, die darin arbeiten und nicht der Bourgeosie.


Sagen wir mal so: Wer von uns heute möchte auf Bananen oder Orangen verzichten, auf Erdöl oder Rum, auf Kaffee oder Tee? Was spricht dagegen, dass präzise und zuverlässig funktionierende deutsche Maschinen (z.B. Windkraftanlagen) weltweit verkauft werden? Was ist der internationale Handel und Austausch von Waren gegeneinander anderes als Globalisierung?

Kurz gesagt: wenn man ein Globalisierungsgegner ist, muß man schon ziemlich genau sagen, was man damit meint. Gegen Globalisierung an sich kann man nicht sein, so wenig wie ein vernünftiger Mensch gegen Atomkraft sein kann. Man kann mit guten Argumenten gegen die Spaltung von Atomkernen zur Energieerzeugung sein, aber nicht gegen die pysikalische Kraft im Inneren von Atomkernen.


Kommentare:
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Samstag, 2. Juni 2007

G-8, das ist der Gipfel!


Der G-8-Gipfel eskaliert wie von Innenminister Schäuble erwartet und mit klammheimlicher Freude ersehnt. Dass der Versuch, die 8 wichtigsten Politiker der Welt mit einer Art Ausnahmezustand und einem irrsinnigen Aufwand, der irgendwie der Hilfe von Afrika dienen soll, vor Protesten zu schützen, nicht gelingen wird, war absehbar und logisch. Natürlich muß dieses bombastische Treffen Protest hervor rufen und alle vereinen, die irgendwie Kritik an der Globalisierung, dem Kapitalismus und der Armut in der Welt haben. Das weiß der Herr Schäuble. Und er wird mit Sicherheit, da gehe ich jede Wette ein, die Krawalle benutzen, um Aufrüstung der Polizei und der Geheimdienste im Inneren zu rechtfertigen, den Einsatz der Bundeswehr zum X-ten Male fordern, das Durchschnüffeln von privaten und Firmen-PC begründen usw.

Allerdings dürfte auch Angela Merkel und ihrer Regierung die Suppe einigermaßen versalzen sein, wenn vom Gipfel die Botschaft ausgeht: Außer Spesen nichts gewesen - und jede Menge Randale und eindrucksvolle Zäune. Warum meint diese Frau, sie können ihre Probleme mit Zäunen und Mauern lösen? Das hat doch schon in der DDR nicht geklappt!

Falls jemand die Woche nichts besseres vor hat,
hier sind sicher noch ein paar Plätze frei!


Und zum Schluß ein Beitrag zum Hören. Ich bin sehr stolz, dass ich das hinbekommen habe, ein Audio einzubinden. Der Beitrag heißt "Brief der Woche" und befaßt sich mit dem Zaun und neuen Perspektiven für Mecklenburg-Vorpommern". Er lief am Samstag in SWR2 in der Sendung "Geld, Markt, Meinung". Viel Spaß! (auf den roten Knopf klicken und kurz warten)





1. Fastentag

Erster Fastentag:
"Morgentee, Glaubersalz (mit Zitrone) oder Einlauf", empfiehlt Dr. med. Hellmut Lützner in seinem 2 Millionen mal verkauften Bestseller. Ich entscheide mich für Morgentee. Bis jetzt geht`s gut!

Spaß beiseite: Wenn der menschliche Körper die Fähigkeit entwickelt hat, in guten Zeiten Nahrungsvorräte im Körper anzulegen, um für Notzeiten gerüstet zu sein, dann hat er auch die Fähigkeit, wenn erforderlich auf diese Vorräte zurück zu greifen.

Ernährungsmäßig gibt es in Deutschland diese Notzeiten nicht mehr. Also muß man sie künstlich herbei führen. Jedenfalls bei dem Teil der Bevölkerung, bei dem das Anlegen der Reserven für den Notfall noch gut und gut sichtbar funktioniert: Den Dicken.

Ich wiege 103 kg bei 187 cm Körpergröße. Nicht richtig dick, aber doch übergewichtig. Und über Norbert habe ich ja schon geschrieben. 140 kg bei 183 cm Größe. Heute abend werde ich ihn treffen. Dann besprechen wir die Kräutertees, das Glaubersalz und die Bewegung, die wir jetzt brauchen.