"Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen. Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden."
Das Zitat stammt von Karl Marx aus dem Kommunistischen Manifest, geschrieben 1848. Jeder Satz darin ist bis heute richtig. Das Zitat (und weitere Passagen im Manifest) beschreiben das, was man heute Globalisierung nennt. Sie ist so alt wie der Kapitalismus, also ca. 200 Jahre. Bemerkenswert finde ich, dass Marx und Engels dieses weltweite Streben der Bourgeosie (der Unternehmen) nach Absatz der Produkte und Verarbeitung von Rohstoffen aus den entlegensten Zonen nicht kritisieren. Im Gegenteil: Sie finden es offentsichtlich gut, dass "den Reaktionären der nationale Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen wird." Sie finden das internationale Handeln gut, weil es die engen, reaktionären, nationalen Grenzen überwindet. Die Position von Marx und Engels war ja auch, die Produktivkräfte voll zu entwickeln. Sie wollten nur die Besitzverhältnisse in der Produktion verändern. Die Produkte und die Fabriken sollten denen gehören, die darin arbeiten und nicht der Bourgeosie.
Sagen wir mal so: Wer von uns heute möchte auf Bananen oder Orangen verzichten, auf Erdöl oder Rum, auf Kaffee oder Tee? Was spricht dagegen, dass präzise und zuverlässig funktionierende deutsche Maschinen (z.B. Windkraftanlagen) weltweit verkauft werden? Was ist der internationale Handel und Austausch von Waren gegeneinander anderes als Globalisierung?
Kurz gesagt: wenn man ein Globalisierungsgegner ist, muß man schon ziemlich genau sagen, was man damit meint. Gegen Globalisierung an sich kann man nicht sein, so wenig wie ein vernünftiger Mensch gegen Atomkraft sein kann. Man kann mit guten Argumenten gegen die Spaltung von Atomkernen zur Energieerzeugung sein, aber nicht gegen die pysikalische Kraft im Inneren von Atomkernen.
Kommentare:
Einfach auf das hervorgehobene Feld "Kommentar" am Ende jedes Beitrags klicken! Da kann jeder seine Meinung los werden.
2 Kommentare:
funktioniert das mit den Kommentaren wirklich oder werden die unterdrückt?
und wie gehts weiter, heute ist schon der 17. und ich bin neugierig, liebe grüße nach baden
Kommentar veröffentlichen